Gervinus, geboren am 20. Mai 1805 in Darmstadt, war zunchst Kaufmann und wurde dann
Historiker. Nachdem er Dozent in Heidelberg gewesen war, nahm er 1836 eine Professur in
Göttingen an. Hie gehörte er zu den "Göttinger Sieben", jenen Professoren,
die König Ernst August von Hannover öffentlich des Verfassungsbruches bezichtigten, und
wurde mit ihnen 1837 des Amtes enthoben.
Zwischen 1835 und 1842 erschien dann seine "Geschichte der deutschen
Nationalliteratur", in der er erstmals Dichtung im Zusammenhang mit der
geschichtlichen Entwicklung darstellte. Ab 1844 lehrte er wieder in Heidelberg und gab
1847 die "Deutsche Zeitung" heraus, ein Organ der gemäßigten preußischen
Liberalen.
Als solcher war er 1848 für kurze Zeit Abgeordneter der Frankfurter
Nationalversammlung, zog sich nach dem Scheitern der Revolution jedoch aus der Politik
zurück. Als er 1853 seine "Einleitung in die Geschichte des 19. Jahrhunderts"
veröffentlichte, die die Zukunftsvision eines föderalistischen und demokratischen
Zeitalters entwarf, wurde ihm wegen Hochverrats der Prozeß gemacht und die Lehrerlaubnis
entzogen.
Daraufhin arbeitete Gervinus bis zu seinem Tod am 18. März 1871 als Privatgelehrter in
Heidelberg.
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