Zwei Slawenstämme siedeln im Berliner Raum: an der
Havel die Heveller (Mittelpunkt "Brennabor", die spätere Stadt Brandenburg), an
der Spree die Sprewanen mit Köpenick als Zentrum.
Ein weiterer von den Hevellern an der Havel
errichteter Herrensitz ("Spandow" = Spandau) mit seiner danebenliegenden
Siedlung ist die erste "städtische" Siedlung im Berliner Raum. Bis ins frühe
11. Jhdt. bleiben die um 825
befestigten Burgsiedlungen Spandau und Köpenick hier die größten Wohnplätze.
Der Askanier Albrecht der Bär wird Markgraf der
Nordmark, einem noch lange von westslawischen Stämmen mitbesiedelten Gebiet. Albrecht
bekehrt die Wenden zum Christentum; die Nordmark wird nun "Altmark" genannt.
Dieses westlich der Elbe liegende Gebiet um Salzwedel-Gardelegen-Stendal ist das Stammland
der Mark Brandenburg.
Berlin und Cölln erwerben die Johanniterdörfer
Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Richardsdorf (Rixdorf, seit 1912 Neukölln) auf dem südlich
(ca. 30 m über dem Berliner Urstromtal) liegenden Landrücken Teltow.
Kurfürst Friedrich II. "Eisenzahn"
aus dem Hause Hohenzollern beabsichtigt gegen den Willen der Berliner, die um ihre
stadtbürgerlichen Privilegien fürchten und eine feudale "Zwingburg" ablehnen,
hier seine Residenz aufzuschlagen. Am Ufer der Spree entsteht 1443-1451 das erste Stadtschloß.
In Berlin-Cölln wohnen rund 8.000 Menschen; auf dem
Gebiet des späteren Tiergartens wird der "Landwehrungsgraben" zur Entwässerung
der Cöllner Feldmark angelegt.
Friedrich Wilhelm, der "Große
Kurfürst", übernimmt die Herrschaft im Kurfürstentum Brandenburg. Er organisiert
einen straff zentralisierten Absolutismus. Während seiner fast fünfzigjährigen
Regierung stieg die Einwohnerzahl Berlins auf über 20.000 an. Damit ist Berlin in den
Kreis der großen Städte in Deutschland und Mitteleuropa hineingewachsen.
Einwanderung der in Frankreich verfolgten
protestantischen Hugenotten nach dem Edikt von Potsdam; sie bringen "feine"
Handwerke in die noch ländlich geprägte, rohstoffarme Mark Brandenburg, dem Kernland des
späteren Territorialstaats Preußen.
Schaffung einer Einheitsgemeinde Berlin mit ca.
60.000 Einwohnern aus den Städten Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und
Friedrichstadt (die Fläche entsprach ungefähr dem heutigen Bezirk Mitte).
Vollendung des barocken Zeughauses Unter den
Linden; 1706 bis 1877 Waffenarsenal, heute Sitz des
Deutschen Historischen Museums. Ansiedlung böhmischer Glaubensflüchtlinge; sie bringen
u.a. das Glasmacher- und das Braugewerbe auf einen hohen Stand, Berlin wird im 19. Jhdt.
neben München und Dortmund zu einer bedeutenden Braustätte.
Bau einer 14,5 km langen Stadtmauer mit 14 Toren, um
die Akzise-Steuer (Binnenzoll) zu erheben und eine Desertion der meist in die Armee
gepreßten Söldner zu verhindern: ein Teil der ca. 83.000 Mann starken preußischen Armee
war in Berliner Häusern "einquartiert", Kasernen kannte man noch nicht.
unter Friedrich II. (Friedrich dem Großen, 1740-1786) wird Preußen in drei Kriegen
in den Rang einer Großmacht erhoben, Berlin nimmt den Charakter einer europäischen
Hauptstadt an. Friedrichs bevorzugte Sommerresidenz ist allerdings Schloß Sanssouci
in Potsdam.
Gotthold Ephraim Lessing kommt nach Berlin; seit 1749 tagt der
"Montagsclub", eine lockere Vereinigung von Literaten, die Stadt wird ein
Zentrum der Aufklärung.
Aufführung Lessings "Minna von Barnhelm"
im Theater an der Behrensstraße. In dem Lustspiel wird Berlin erstmals ein bedeutendes
literarisches Denkmal gesetzt.
Das neue (heutige) Brandenburger Tor wird als
westliches Zolltor in der Stadtmauer dem Verkehr übergeben (diese Mauer mit allen Toren
außer dem Brandenburger Tor wurde um 1868
abgerissen).
Das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt wird
eröffnet (1980/84 als
Konzerthalle wiederhergestellt). Der Gendarmenmarkt als ehemaliger Hauptmarkt der
Friedrichstadt erhält damit nach der Deutschen Kirche (1701/08) und der Französischen
Kirche (1701/05, beide Kirchen werden auch "Dom" genannt), den Abschluß zum
geschlossenen Bauensemble.
Gründung der Friedrich-Wilhelms-Universität unter
Mitwirkung Wilhelm von Humboldts (heute: Humboldt-Universität). Gründungsstandort
war und heutiges Hauptgebäude ist das ehemalige Palais des Prinzen Heinrich von Preußen,
erbaut 1748/66
Friedrich Wilhelm III. ruft in seinem in Breslau
erlassenen Dekret "An Mein Volk" zum bewaffneten Widerstand gegen Napoleon auf.
Der König spendet den Orden "Eisernes Kreuz"; Berlin ist das Zentrum der
nationalen Erhebung ("Befreiungskriege" 1813/15).
Die höchste Erhebung der Tempelhofer Berge, auf der
das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege errichtet wird, erhält den Namen
"Kreuzberg" (nach der kreuztragenden Viktoria). Der Name wird bald darauf von
dem nördlich und nordöstlich schnell wachsenden Stadtteil übernommen.
Das erste deutsche Dampfschiff fährt auf Havel und
Spree; ab 1864 gab es eine
regelmäßig verkehrende Dampfbootlinie ab der Jannowitzbrücke die Oberspree hinauf.
Eröffnung des Alten Museums; Beginn der Anlage der
Nordspitze der Spreeinsel zur "Museumsinsel", einer der weltweit bedeutendsten
Konzentrationen von Museen.
Der in Berlin gegründete Deutsche Zollverein tritt
in Kraft. Dieser wirtschaftliche Zusammenschluß der deutschen Staaten bildete eine
Vorstufe des Deutschen Reichs von 1871.
Friedrich Wilhelm IV. weist die ihm von der
Frankfurter Nationalversammlung angebotene Kaiserkrone zurück. Damit ist auch die
konstitutionell-monarchistische Variante der einst rein republikanisch angetretenen
deutschen nationalen Revolution gescheitert.
Einführung einer Verfassung in Preußen mit dem
Dreiklassenwahlrecht. Nach der revisionistischen neuen Berliner Stadtverfassung sind von
427.000 Einwohnern nur 21.000 Steuerbürger wahlberechtigt.
Der 10,5 km lange Landwehrkanal wird vollendet. Er
schafft eine südlich der Stadt verlaufende Verbindung der Spree nach Charlottenburg, um
den innerstädtischen Schiffsverkehr zu entlasten.
Einführung der Litfaßsäulen; Werbung
("Reklame") im Stadtraum nimmt damit eine neue Dimension an. Mitteilungen
verbreiten sich schnell auch bei den Menschen, die keine Zeitung lesen.
Baubeginn eines Wasserwerkes und
Wasserleitungssystems (1873
Kanalisation); Berlin gilt im ausgehenden 19. Jahrhundert als vorbildlich in der
öffentlichen Hygiene, Ver- und Entsorgung. Mehrere Rieselfelderanlagen in den Sandböden
von Teltow und Barnim werden in Betrieb genommen.
Wilhelm I. wird König von Preußen. Berlins Fläche
wird durch Eingemeindung von Wedding, Moabit, Tempelhofer und Schöneberger Vorstadt auf
59,2 km² erweitert; Einwohnerzahl: 547.000. Dieses Gebiet wurde bis 1919 um nur 6,7 km² arrondiert und
bildete kurz vor der Schaffung "Groß-Berlins" (s. 1920) mit 28.940 Einwohnern/km²
eine der dichtest besiedelten Stadtflächen der Welt. (Zum Vergleich: in Hongkong
[Stadteil Kowloon] leben heute bis zu 100.000 Einwohner/km²).
Der vom Stadtbaurat James Hobrecht ausgearbeitete
"Bebauungsplan von den Umgebungen Berlins" beschleunigt die Bodenspekulation und
den Mietskasernenbau besonders in den an das erweiterte Berlin angrenzenden, schnell
wachsenden Siedlungen. Die "Schöneberger Millionenbauern" werden
sprichwörtlich für plötzlich entstandenen Reichtum aus Ackerlandverkäufen an
Bauinvestoren.
Der "Norddeutsche Bund" wird gegründet;
dieser kurzlebigen bundesstaatlichen Vereinigung von 22 deutschen Mittel- und Kleinstaaten
sowie Freien Städten nördlich der Mainlinie dient Berlin als Hauptstadt.
Das "Rote Rathaus" als Sitz der
Berliner Stadtverwaltung wird eröffnet; seit 1991 erfüllt es diese Funktion wieder für
Gesamt-Berlin. 1949-1990 hatten das West-Berliner
Abgeordnetenhaus und der Regierende Bürgermeister ihren Sitz im Schöneberger Rathaus.
Das Berliner Abgeordnetenhaus tagt seit 1991 im ehem. Preußischen Landtag.
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Gründung des Deutschen Reiches und
Kaiserproklamation Wilhelms I. in Versailles. Berlin wird Residenz des Deutschen
Kaisers und Reichshauptstadt, die Einwohnerzahl übersteigt 800.000. Wirtschaftlicher Boom
der "Gründerjahre", beschleunigt durch 5 Milliarden Franc
"Kriegsschuldzahlungen" Frankreichs.
Berlin erreicht 1 Million Einwohner, weitere Zunahme
bis 1900 ca. 30-40.000 im Jahr,
starke Zuwanderung aus den verarmten kinderreichen Gebieten Schlesiens. "Jeder zweite
Berliner hat schlesische Vorfahren", heißt es im Volksmund.
Zwei Attentate auf Wilhelm I.;
"Sozialistengesetz" (1890
aufgehoben) erklärt die Sozialdemokraten als Rädelsführer sozialer Unruhen. Berliner
Kongreß: Reichskanzler Bismarck erreicht als "Ehrlicher Makler" eine Revision
der türkisch-russischen Beschlüsse zur Neuordnung des Balkans.
Eröffnung der Berliner Stadtbahn. Sie besteht aus
der querverlaufenden "Stadtbahn" (Bhf. Charlottenburg - Schlesischer Bahnhof,
12,1 km) und einer ca. 22 km langen "Ringbahn" um Berlin herum. Beide Bahnen mit
eigenem Gleiskörper und zahlreichen speziell entworfenen S-Bahnhöfen sind noch
dampfbetrieben, ab 1928
elektrifiziert. Die "Fernbahnen" aus dem Reich und dem weiteren Umland enden in
10 Kopfbahnhöfen; Berlin ist Deutschlands und Mitteleuropas Verkehrsmittelpunkt.
Nach Entlassung des Reichskanzlers Otto v. Bismarck (1890) prägt Wilhelm II. einen
national-konservativen Politik-, Lebens- und Baustil ("Wilhelminismus"). Er
manifestiert sich z.B. in der 1895
eingeweihten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (die Turmruine ist eines der Wahrzeichen
Berlins), oder im überdimensionierten Berliner Dom (1893-1905, Wiederaufbau 1994 abgeschlossen).
Erste Hoch- und U-Bahn: Warschauer Brücke -
"Knie" (heute: Ernst-Reuter-Platz); das Zusammenwirken von S- und U-Bahn,
Straßenbahn- und Omnibusbetrieb (seit 1905 mit Kraftomnibussen) ergibt eines der
leistungsfähigsten Nahverkehrssysteme der Welt.
Berlin hat 2 Millionen Einwohner, die zum großen
Teil in kleinen Wohnungen in Mietskasernen mit bis zu 6 Hinterhöfen leben müssen.
Mehrere 100.000 Menschen leben in fast lichtlosen Keller-"Wohnungen" unter
erbärmlichen Bedingungen.
Kaufhaus des Westens ("KaDeWe") in
Charlottenburg eröffnet, damals größtes Warenhaus Deutschlands, seit den Erweiterungen 1978 und 1993-96 ist es das größte Kaufhaus
Europas.
Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (heute:
Max-Planck-Gesellschaft) zur Förderung der Wissenschaften gegründet. Berlin ist auch
unangefochtener Forschungsschwerpunkt des Reichs.
Erster Weltkrieg, schwere Bedrängnis der
Zivilbevölkerung durch Lebensmittel- und Brennstoffknappheit (öffentliche Volksspeisung,
1916/17 "Kohlrübenwinter").
Abdankung Kaiser Wilhelm II. und Ausrufung der
"Deutschen Republik" durch den SPD-Politiker Philipp Scheidemann vom Balkon des
Reichstags. Die kommunistisch orientierten Kräfte rufen im Gegenzug die
"Räterepublik" aus, das gemäßigt-sozialdemokratische Lager und weite Teile
des Bürgertums stehen jedoch mehrheitlich hinter Scheidemann und seinem
parlamentarisch-demokratischen Modell.
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Der kommunistische Spartakusaufstand und andere
politische Unruhen in Berlin zwingen die gerade gewählten Reichtagsabgeordneten, in das
ruhige Weimar in Thüringen (bis 1919-09-30)
auszuweichen (daher der Name "Weimarer Republik").
Verabschiedung des "Gesetzes über die Bildung
einer neuen Stadtgemeinde Berlin" im preußischen Parlament; das Gesetz trat am 1.
Oktober 1920 in Kraft (siehe dort).
Zusammenschluß Berlins (heutige Bezirke: Mitte,
Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Tiergarten) mit sieben umliegenden
Städten (Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöneberg, Neukölln, Lichtenberg, Spandau und
Köpenick), sowie 59 Landgemeinden (z.B. dem "größten Dorf Preußens",
Steglitz) und 27 Gutsbezirken (Bezirke: Zehlendorf, Steglitz, Tempelhof, Treptow,
Weißensee, Pankow und Reinickendorf) zu "Groß-Berlin". Die Stadt mit nunmehr
878 km² Fläche wird in 20 Bezirke eingeteilt. Berlin wird zur Weltstadt, mit 3,8
Millionen Einwohnern rückt es nach London und Paris zur drittgrößten Stadt Europas auf.
Als erste deutsche Autorennstrecke wird die 9,8 km
lange "Avus" (Automobil-Verkehrs- und UebungsStraße) durch den Forst Grunewald
eröffnet (heute Teil der Stadtautobahn).
Höhepunkt und Ende der Währungs-Inflation: 1
Billion Papiermark = 1 Rentenmark (1923-11-20);
viele "kleinen Leute" werden um ihre Geldersparnisse betrogen; die wenigen
Grund- und Aktienbesitzer sind bevorteilt. Sendebeginn des Berliner Rundfunks.
Zusammenschluß der städtischen öffentlichen
Verkehrsmittel U-Bahn, Straßenbahn und Omnibusse zur BVG,
die S-Bahn (Betreiber Deutsche Reichsbahn) wird nur locker an einigen
"Übersteigebahnhöfen" an das BVG-Netz angebunden.
Höhepunkt der Wirtschaftskrise: 636.000 Arbeitslose,
jeder dritte Berliner lebt von geringen öffentlichen Zuwendungen, die Nationalsozialisten
erhalten starken Zulauf (Reichstagswahlen v. 1932-07-31: 28,7%, v. 1932-11-06: 26,0%).
Brandstiftung im Reichstagsgebäude; die NSDAP
bezichtigt die KPD, mit dem Anschlag in Verbindung zu stehen. Angeklagt und zum Tode
verurteilt wird der Holländer Marinus van der Lubbe.
Der Reichstag erläßt auf Antrag der
Hitler-Regierung mit Unterstützung ihrer Koalitionspartner das
"Ermächtigungsgesetz", angeblich, um linksradikal-bolschewistische Gefahren von
"Volk und Vaterland" abzuwehren. Es überträgt viele verfassungsmäßige Rechte
des Reichstages auf die Reichsregierung. Das Parlament hat sich damit faktisch selbst
entmachtet, die Hitler-Diktatur war fest installiert.
In Oranienburg-Sachsenhausen wird das erste
Konzentrationslager im Berliner Raum eingerichtet, es nimmt zunächst viele Berliner
politisch Verfolgte auf.
Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte durch
Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. SA-Leute treten den Käufern vor jüdischen
Geschäften mit Schildern und Parolen wie "Ein Deutscher kauft nicht bei Juden!"
massiv entgegen. Weitere antisemitische Verfolgungen: Entfernungen aus dem Staatsdienst,
Berufsverbote, Zwangsenteignungen usw.
Bücherverbrennung der SA auf dem Opernplatz
gegenüber der Berliner Universität. 20.000 Bücher "undeutschen Geistes"
werden vernichtet (u.a. Werke von Heinrich und Thomas Mann, Arthur Schnitzler, Kurt
Tucholsky, Max Brod, Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger).
Nach dem von der SS unter Heinrich Himmler
("Schutz-Staffel", ursprünglich nur ein kleiner Verband innerhalb der SA)
inszenierten "Röhm-Putsch" entledigt sich Hitler mit der Ermordung des
SA-Führers seines letzten potentiellen Konkurrenten.
Nach dem Tode des Reichspräsidenten v. Hindenburg
vereinigt Hitler auch das Amt des Reichspräsidenten und Oberbefehlshabers der Reichswehr
in sich; er läßt sich nun mit "Reichskanzler und Führer" titulieren. Die
Berliner, entgegen dem Trend in vielen Teilen des Reichs, neigen den Nationalsozialisten
keinesfalls mehrheitlich zu, sehen jedoch meist nach Verbot oder
"Gleichschaltung" aller politischen Organisationen, gesellschaftlichen
Zusammenschlüsse und Medien keine Möglichkeit mehr, gegen die handstreichartig
errichtete Diktatur vorzugehen.
Eröffnung der XI. Olympischen Sommerspiele im neuen
Berliner Olympiastadion auf dem 1934/36
angelegten "Reichssportfeld". Die Großveranstaltung dient den
Machthabern vor allem als internationale Sympathiewerbung für das "Dritte
Reich".
Das von Goebbels und der SA als
"Reichskristallnacht" organisierte Judenpogrom tobt auch in Berlin. Viele
Synagogen und andere jüdische Einrichtungen werden niedergebrannt und zahlreiche
Geschäfte geplündert; es gibt viele Tote und Verhaftungen.
Beginn des Zweiten Weltkriegs durch Einmarsch der
Wehrmacht in Polen von Schlesien und Ostpreußen aus. Hitler: "Seit 5 Uhr 45 wird
zurückgeschossen ..."
Wannseekonferenz zur "Endlösung der
Judenfrage": die bürokratisch perfektionierte Deportation von Juden aus den unter
deutscher (auch Militär)-Herrschaft stehenden Gebieten in Vernichtungslager (u.a.
Auschwitz-Birkenau) wird angeordnet. Insgesamt sind der Hitler-Diktatur aus
nicht-kriegsbedingten Gründen ca. 6 Millionen Juden, 500.000 Sinti und Roma sowie etwa 1
Million Angehörige anderer ethnischer Gruppen, politisch Verfolgte, Zwangsarbeiter(innen)
und Zwandsdeportierte, Homosexuelle und geistig Behinderte zum Opfer gefallen.
Aufruf zum "Totalen Krieg" vor
enthusiastisch zustimmenden NSDAP-Parteigenossen durch Goebbels im Berliner Sportpalast.
Folge: verschärfte Luftangriffe auch auf zivile Ziele, Dienstverpflichtungen vieler
Frauen, Rekrutierung von Jugendlichen (ab 16 Jahre) in die Wehrmacht bzw. dessen Vorstufe
Reichsarbeitsdienst; Aufstellung des "Volkssturms" aus leicht bewaffneten
Einheiten mit vorwiegend älteren Männern, die im "Endkampf" die Städte
verteidigen helfen sollen.
Bei einem Betriebsappell einer Berliner
Rüstungsfabrik sagt der Führer der "Deutschen Arbeitsfront", Robert Ley:
"wir schwören, wir werden nicht eher den Kampf aufgeben, bis der letzte Jude in
Europa vernichtet ist und gestorben ist". Diese von Beifall umtoste Rede wurde in
alle Betriebe (mit Lautsprechern) und Haushalte (über Volksempfänger) des Reiches
übertragen.
Attentat auf Hitler in Ostpreußen mißlingt.
Sofortige Hinrichtung der wichtigsten Verschwörer (Bendler-Block, heute Gedenkstätte);
Zentrum des Widerstands war Berlin.
Kapitulation Berlins nach der verlustreichen
Eroberung durch sowjetische Truppen. Berlin hat noch 2,8 Millionen Einwohner, jedes dritte
Wohnhaus ist zerstört. Die Zahl der jüdischen Bürger(innen) reduzierte sich von 173.000
(Ende 1932) auf 6.000: ca.
100.000 Juden konnten bis Mitte 1941
(Überfall auf die Sowjetunion) emigrieren, mehr als 60.000 Juden kamen in
Konzentrationslagern um, nur 1400 überlebten im Berliner Untergrund.
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Deutschland ist nach monatelangem
"Endkampf" nahezu vollständig von alliierten Truppen besetzt. Unterzeichnung
der Gesamtkapitulation der Wehrmacht in Berlin-Karlshorst; Berlin erhält den
"Viermächtestatus" und wird in 4 Sektoren geteilt. Die Alliierte Kommandantur
für Berlin ist längere Zeit die einzige politische Instanz mit Rechten in Gesamtberlin.
Amerikanischer Sektor werden die Bezirke: Zehlendorf, Steglitz, Wilmersdorf, Schöneberg,
Tempelhof, Neukölln; Britischer Sektor: Spandau, Charlottenburg, Tiergarten, Kreuzberg;
Französischer Sektor: Reinickendorf, Wedding; Sowjetischer Sektor: Mitte, Friedrichshain,
Lichtenberg, Prenzlauer Berg, Pankow, Weißensee, Treptow, Köpenick.
Die West-Alliierten (zunächst Amerikaner und Briten)
übernehmen offiziell ihre jeweiligen Sektoren von den sowjetischen Streitkräften.
(Dafür haben sie sich aus Sachsen, Thüringen und Mecklenburg zurückgezogen.)
Währungsreform in den drei Westzonen Deutschlands
und in den 3 Westsektoren Berlins (Einführung der Deutschen Mark, DM); in Berlin werden
die Banknoten durch ein aufgestempeltes "B" gekennzeichnet
("Bären-Mark").
Beginn der Luftbrücke (Abb.
"Rosinenbomber") zur Versorgung der Westsektoren Berlins auf Veranlassung des
amerikanischen Militärgouverneurs General Lucius D. Clay; Ausbau des Schießplatzes Tegel
zum zweiten Flughafen West-Berlins innerhalb von 3 Monaten.
Die Sowjets brechen die Blockade West-Berlins ab; in
213.000 Flügen wurden 1,7 Millionen t Versorgungsgüter (darunter die Teile eines
Kohlekraftwerks) nach Berlin gebracht. 78 Menschen fanden dabei den Tod (Denkmal
"Hungerharke" vor dem Flugplatz Tempelhof).
Die DDR unterbricht die Telefonverbindungen zwischen
West- und Ost-Berlin. West-Berlinern wird die Einreise in das Gebiet der DDR (außerhalb
Ost-Berlins) untersagt.
Volksaufstand in Ost-Berlin und in der DDR; er
wird durch Einsatz sowjetischen Militärs blutig niedergeschlagen; ca. 260 Demonstranten
und 100 Polizisten werden getötet, fast 5.000 Verhaftungen folgen.
SED-Chef Walter Ulbricht: "Die Bauarbeiter
unserer Hauptstadt beschäftigen sich hauptsächlich mit Wohnungsbau, und ihre
Arbeitskraft wird dafür voll eingesetzt. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu
errichten!"
Baubeginn der Berliner Mauer. West-Berlin wird
gegen Ost-Berlin und die DDR durch Mauer und Stacheldraht abgeriegelt. Die DDR nennt ihre
Grenzbefestigungen "antifaschistischen Schutzwall".
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Die erste Kommune, eine radikalsozialistische Wohn-,
Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, wird gegründet. Die Kommunarden Rainer Kunzelmann, Fritz
Teufel und Rainer Langhans werden alsbald von den etablierten Medien als
"Politclowns" abgewertet. Tatsache ist, daß durch die z.T. spektakulären
Aktionen der zumeist im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS)
zusammengeschlossenen Protestler ein Bewußtsein über die gesellschaftlichen Defizite in
weite Kreise der Bevölkerung getragen wurde.
Bei Protestdemonstrationen von 2000 Studenten und
Schülern vor dem Schöneberger Rathaus gegen den Besuch des Schah von Iran wird der
Student Benno Ohnesorg erschossen. Dieses Ereignis markiert den Beginn der militanten
Aktionen der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in Berlin und Deutschland.
Attentat auf den Studenten und APO-Wortführer Rudi
Dutschke durch den Rechtsextremisten Josef Bachmann. Die Tat wird allgemein der
Springer-Presse angelastet. Es kommt national und international zu großen
Protestkundgebungen. Anfang Mai 1968 ist das Springerhochhaus an der Kochstraße das
Zentrum militanter Aktionen der APO, welche u.a. die Auslieferung der
Springer-"Hetzblätter" verhindern sollen.
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Die Botschafter der drei Westalliierten sowie der
UdSSR unterzeichnen das Viermächte-Abkommen; es schreibt den "Status quo" in
beiden deutschen Staaten fest und enthält Gewaltverzichtserklärungen beider Seiten. Nach
Einigung in der Transitfrage tritt es im Juni 1972 in Kraft. West-Berlin erhält
nach einer längeren Periode im Brennpunkt des "kalten Krieges" eine
völkerrechtsverbindliche Garantie seines Sonderstatus.
BRD/DDR-Abkommen über den Transitverkehr zwischen
der Bundesrepublik und West-Berlin paraphiert: der Verkehr soll in der "einfachsten,
schnellsten und günstigsten Weise" abgewickelt werden. West-Berliner können
innerhalb von 3 Monaten neunmal Ost-Berlin und die DDR besuchen (wirksam ab Oktober 1972).
Das Umweltbundesamt wird in West-Berlin
(Dahlem) eingerichtet. Die DDR-Regierung und die Sowjetunion protestieren gegen die
angebliche Verletzung des Sonderstatuts West-Berlins.
Der West-Berliner CDU-Spitzenkandidat Peter Lorenz
wird von der "Bewegung 2. Juni" (1967) entführt. Gegen die
Freilassung von RAF-Gefangenen, darunter auch der APO-Rechtsanwalt Horst Mahler, kommt
Lorenz frei.
Gründung der "tageszeitung"
("taz"). Das alternative Presseorgan markiert einen Abschluß der zahlreichen
Veröffentlichungen, die jahrelang im APO-Milieu kursierten.
Die S-Bahn in West-Berlin wird von der BVG
übernommen, sie bleibt jedoch wegen des teilweise stillgelegten Streckennetzes und der
seit 1961 neu gebauten
U-Bahnstrecken von untergeordneter Bedeutung im Westteil der Stadt.
Bezirke Hohenschönhausen (1986, als 22. Bezirk) und
Hellersdorf (1987, als 23. Bezirk) in Ost-Berlin gebildet, es hat damit 11 Bezirke,
Weißensee und Lichtenberg mußten Flächen abgeben. Die nun drei neuen Bezirke werden
überwiegend mit Wohnhochhäusern in Plattenbauweise bebaut, deren Wohnungen einen für
DDR-Verhältnisse hohen technischen Standard erreichen.
750-Jahr-Feier in beiden Teilen der Stadt (siehe 1237); im Vordergrund der IBA '87
steht die Erneuerung der West-Berliner Wohnbausubstanz, viele Mietwohnungen haben u.a.
noch immer Kohle-Einzelofenheizung und außenliegende Toiletten.
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Alternative Gedenkfeier am Grabe Rosa Luxemburgs in
Ost-Berlin. Der demokratisch-sozialistische Teil der Kritiker des
"realsozialistischen" Kurses der DDR artikuliert sich demonstrativ öffentlich
und wird danach vom Staatssicherheitsdienst verschärft überwacht. Die Kontakte dieser
Regime-Kritiker mit den seit ca. 1984
aktiven zahlreichen demokratischen und kirchlichen Kräften verstärken sich: es entsteht
eine heterogene außerparlamentarische DDR-Opposition. Ziel dieser Kreise ist es
mehrheitlich, die DDR nach dem Vorbild der sowjetischen "Perestroika" zu
reformieren.
Nach von den DDR-"Organen" auf Anordnung
der SED durchgeführten Fälschungen der Kommunalwahlergebnisse verstärken sich die
Proteste der Ost-Berliner Bürger auch über die organisierten Bürgerrechtsgruppen
hinaus. Im "breiten Volk" jedoch greift Resignation um sich, da die DDR-Oberen
eine liberale Öffnung nach dem Vorbild der UdSSR weiterhin ablehnen.
Urlaubsaufenthalte von DDR-Bürgern in der CSSR,
Polen und Ungarn werden zur Absetzung in den Westen benutzt. Das Regime hält an der von
der Bevölkerung abgelehnten, weil sich nicht zeitgemäß öffnenden Politik jedoch fest.
Erich Honecker: "Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel
auf!"
Auf einer von Ost-Berliner Kulturschaffenden
"von unten" organisierten (und von SED und MfS als Versuch, das wankende Regime
noch zu retten, unterstützten) Großdemonstration versammelten sich ca. 1 Million
DDR-"Reformer" auf dem Alexanderplatz. Stefan Heym: "Es ist, als hätten
wir ein Fenster geöffnet, aus dem nun der Mief all der Jahre entweicht...". Bei
weiteren spontanen Kundgebungen werden - in Anlehnung an die radikaleren Forderungen auf
den "Montagsmärschen" in Leipzig und anderen Städten der DDR - zunehmend Rufe
laut: "Deutschland, einig Vaterland!" (das stand anfangs im Text der DDR-Hymne).
Öffnung der Übergänge der Berliner Mauer
auch für Bürger der DDR. Auf einer Pressekonferenz teilt Politbüromitglied Schabowski
mit: "... haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es
jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR
auszureisen." Die daraufhin zahlreich aufbrechenden "Testbesucher" werden
von den West-Berlinern herzlich begrüßt. An den Grenzübergängen drängen sich bald
viele zehntausende Besuchswillige, so daß gegen 23.30 Uhr die Schlagbäume geöffnet
werden müssen. Alle Kontrollen werden eingestellt: die Mauer hat ausgedient.
"Mauerspechte" beginnen bald darauf, das monströse Bauwerk niederzulegen; ein
weltweiter Souvenirhandel mit Mauerbruchstücken und ganzen Mauerabschnitten sowie
Militaria aus Beständen der DDR und der Sowjetunion beginnt. Nach Angaben der
"Arbeitsgemeinschaft 13. August" sollen allein an der Berliner Mauer 235
Menschen gestorben sein (an der innerdeutschen Grenze 370, und weitere 220 Todesopfer gab
es an den DDR-Grenzen nach Osteuropa).
Rund 600.000 DDR-Bürger besuchen West-Berlin, das
Gedränge an den Übergängen ist chaotisch, auch die kommende Nacht wird durchgefeiert.
Währenddessen ist rund um Berlin die "Erhöhte Gefechtsbereitschaft" der
DDR-Truppenverbände nach dem Plan "Operation Zentrum" hergestellt. Der Plan sah
vor, West-Berlin innerhalb von 12 Stunden einzunehmen, die Operation wird jedoch nicht
ausgelöst. Auch in der Folge verläuft die Grenzöffnung und politische Wende gewaltlos,
es fällt kein Schuß.
Aufhebung der "Erhöhten
Gefechtsbereitschaft" für die DDR-Truppen. Die ca. 365.000 Mann starke Truppe der
sowjetischen Westgruppe hält sich aus der von Gorbatschow als DDR-intern bewerteten
Situation heraus.
Auf einem Sonderparteitag versucht die SED, mit ihrem
"realsozialistischen" Flügel abzurechnen; man stimmt der Umbenennung in
"Partei des demokratischen Sozialismus (PDS)" zu. Die Volkskammer der DDR wählt
den bisherigen Sekretär des SED-Bezirks Dresden, Hans Modrow, zum Vorsitzenden des
Ministerrats der DDR.
Die Bevölkerung Ost-Berlins informiert sich über
die Arbeitsweise der Angehörigen des Ministeriums für Staatssicherheit durch "Tage
der offenen Tür" in der MfS-Zentrale Normannenstraße. So wird offenkundig, daß die
DDR mit einem dichten Netz von Informationszuträgern, -verarbeitern und -verwertern
überzogen ist. Insgesamt ca. 250.000 hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter
("IMs") haben dafür gesorgt, der abgesonderten SED-Altherrenriege ein von der
tatsächlichen wirtschaftlichen Lage und der miserablen politischen Stimmung im Lande
geschöntes Bild zu übermitteln.
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Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer der DDR
erreichen die christlich-demokratischen und die liberalen Parteien die Mehrheit. Die SPD
schneidet unerwartet schwach ab, weil sich ihre Sprecher (außer Willy Brandt) gegen die
mehrheitlichen Erwartungen der DDR-Bevölkerung - d.h. einer sofortigen deutschen
Vereinigung - ausgesprochen hatten. Die noch Ende November 1989 von Bundeskanzler Kohl
projizierte schrittweise Annäherung der beiden Staaten über einen Zeitraum von ca. 5
Jahren war aufgegeben worden, als sich kurz darauf zeigte, daß die Menschen schnell
"zur DM" wollten. Die Volkskammer wählt Lothar de Maizière (CDU) zum
Vorsitzenden des Ministerrats der DDR. Seinem Kabinett gehören anfangs Minister aller
Parteien an (außer der PDS).
Einführung der Deutschen Mark (im Verhältnis 1:1
bzw. 1:2 zur Mark der DDR) in Ost-Berlin und der DDR, deren Bürger damit auch der
politischen Vereinigung näherrücken (Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion). Der
West-Berliner Einzelhandel schätzt die Besucher von "drüben", die ihren
Nachholbedarf an westlichen Konsumgütern ausgiebig befriedigen, nun besonders wegen ihrer
Kaufkraft. Auf den Sparkonten der DDR-Bürger befinden sich - oft wegen des fehlenden
Angebots höherwertiger Güter oder sehr langer Lieferfristen - z.T. beträchtliche
Summen. In Ost-Berlin gehören schnell errichtete Verkaufsstände und dort zugelassene,
meist gebrauchte Kraftfahrzeuge aus westlicher Produktion alsbald zum Stadtbild.
Erweiterung der Bundesrepublik Deutschland durch
Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik in den Geltungsbereich des Grundgesetzes.
Die ehemaligen DDR-Gebiete werden nun amtlich "Beitrittsgebiete",
umgangssprachlich "Neue Bundesländer" genannt. Wiedervereinigung der Stadt
Berlin; Einwohnerzahl: 3,46 Millionen, Fläche: 889 km², 23 Bezirke (12 West + 11 Ost).
Bundeshauptstadt ist Berlin, Regierungs- und Parlamentssitz vorläufig noch Bonn.
Beschluß des Deutschen Bundestages (mit 338:320
Stimmen), daß der Bundestag (der Bundesrat entscheidet sich 1996 ebenso) und die Bundesregierung
mit den "klassischen" Ministerien in die Hauptstadt Berlin
umziehen werden, sobald dafür die baulichen Voraussetzungen geschaffen sind. Genannt wird
der Realisierungszeitraum zwischen 1997 und 2002. Das nun "Bundesstadt" genannte
Bonn bekommt zur Kompensation der auf 20-25.000 veranschlagten Arbeitsplatz-Verluste die
Zusage, daß einige Bundesbehörden aus Berlin und Frankfurt a.M. an den Rhein verlegt
werden.
Mehrere Senatsbeschlüsse zur Wiederinbetriebnahme
von stillgelegten Strecken, Grundsanierung, Modernisierung und Ergänzung des S- und
U-Bahn-Systems. Zusammen mit den Planungen der Deutschen Bahn zum Bau eines zentralen
Fernbahnhofs (neuer Lehrter Bahnhof) und einer neuen Fernbahn-Nord-Süd-Verbindung
(Gesundbrunnen - Lehrter Bahnhof - Papestraße, im mittleren Abschnitt im Tunnel) wird
Berlin ab ca. 2005 ein wesentlich verbessertes schienengebundenes Verkehrsangebot machen
können.
Die nach der Wende eingerichtete
"Gauck-Behörde" macht ihre vom MfS übernommenen Akten Personen zugänglich,
die nach dem "Stasi-Unterlagengesetz" ein berechtigtes persönliches Interesse
nachweisen können. Es bewahrheitet sich, daß Mielkes Staatssicherheitsapparat mithilfe
seines weitverzweigten Mitarbeitersystems z.T. sehr tief in die Privatsphäre der
DDR-Bürger eingedrungen war.
Staatsakt zu Ehren des am 1992-10-08 in Unkel (b.
Bonn) verstorbenen Willy Brandt (geb. 1913-12-18
in Lübeck). Sein letzter Wunsch: "Begrabt mich in Berlin". Der ehemalige
Berliner Regierende Bürgermeister (1957-66), Außenminister (1966-69) und Bundeskanzler (1969-74) der Bundesrepublik Deutschland,
1. Vorsitzende der SPD (1964-87), der Sozialistischen
Internationale und Friedensnobelpreisträger (1971) wird auf dem Waldfriedhof
Zehlendorf beigesetzt.
Beginn eines Sanierungsprogramms für 273.000
industriell gebaute Wohnungen, die bis 1989 in den östlichen Bezirken
errichtet wurden. Für diese langfristig angesetzte "Kur der Platte" sollen in
10 Jahren ca. 13 Milliarden DM aufgewendet werden. Integrierter Bestandteil dieses
Erneuerungsprogramms sind Verbesserungen des Wohnumfelds, Ergänzung der sozialen
Infrastruktur und ein Ausbau der Großsiedlungen zu möglichst autarken Gebilden (weitere
Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsstättenansiedlung, verdichtete Verkehrsanbindung). Der
Senat von Berlin bewertet die soziale Mischung der Großsiedlungen positiv, d.h. die zu
DDR-Zeiten bevorzugt an gut ausgebildete jüngere Familien vergebenen Hochhauswohnungen
bleiben auch nach der Wende beliebt. Ein Problem stellt die infolge der zunehmenden
Arbeitslosigkeit schnell wachsende Zahl der perspektivlosen Jugendlichen dar. In diesen
anregungsarmen Vorstädten nehmen nun Eigentumsdelikte, Vandalismus und
Körperverletzungen zu. Die einst als nahezu kriminalitätslos geltenden Milieus in
Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen gleichen sich offenbar "normalen"
Verhältnissen in den vergleichbaren West-Berliner Bezirken an.
Entscheidung der Bundesregierung für den Bau einer Transrapid-Strecke
Berlin - Hamburg. Die geplante 292 km lange Betontrasse soll 161 km ebenerdig und 131 km
auf Stelzen verlaufen. Kritiker halten die vom künftigen Betreiber genannten Benutzungs-
und Rentabilitätsansätze für unseriös überhöht. Vor allem wird auf den Unsinn einer
mit dem vorhandenen Schienennetz nicht kompatiblen Fahrwegstechnologie verwiesen, zumal
diese auf ganzer Strecke fast parallel zur bestehenden Schienentrasse errichtet werden
soll. Der von der Deutschen Bahn AG geplante Ausbau der konventionellen Strecke
Berlin-Hamburg für Hochgeschwindigkeitszüge (Fahrzeitdifferenz zum Transrapid: ca. 20
Minuten) wird damit hinfällig. Vorsichtig geschätzte Investitionskosten: 15 Milliarden
DM.
Getrennte Abschiedsveranstaltungen und Paraden der
westalliierten und der russischen Streitkräfte; für Berlin endet der Sonderstatus
alliierter Vorbehaltsrechte (seit 1945).
Beginn der Wieder-Bebauung des nach Krieg und
Mauerbau verödeten Bereichs Potsdamer/Leipziger Platz, dem eine große
städtebauliche Bedeutung zukommt. Die frühere Rolle als hektisch belebtes westliches Tor
der Berliner Mitte kann die Platzkombination nicht wieder erlangen, da der alte Potsdamer
Fernbahnhof fehlt; der unterirdisch in der Strecke des Fernbahntunnels auszubauende Regionalbahnhof
Potsdamer Platz wird nur die Zubringerfunktion zum Fernverkehr (zum Norden: Lehrter
Bahnhof, zum Süden: Bhf. Papestraße) übernehmen. Berlins Fernbahn-Umbau vom alten
Zielort mit Kopfbahnhöfen zum neuen Knotenort mit Durchgangsbahnhöfen soll den
Schienenfernverkehr wieder leistungsfähig und attraktiv machen.
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Wettbewerb zur Errichtung eines Denkmals für die
ermordeten Juden Europas ("Holocaust-Denkmal") entschieden. Die
umstrittene monumentale Gedenkstätte soll auf einer Freifläche ca. 200 m südlich des
Pariser Platzes am ehemaligen Mauerstreifen entstehen. Bauplanungen werden jedoch noch
nicht in Gang gesetzt, weil sich die zerstrittenen Gruppen der Errichter trotz der
Wettbewerbsentscheidung über die endgültige Ausgestaltung des Projekts noch nicht
verständigen können. Nachtrag Anfang September 1998: Die Entscheidung wird auf die Zeit
nach der Bundestagswahl verschoben.
Staatsvertrag über die Vereinigung der Bundesländer
Berlin und Brandenburg unterzeichnet. Die Bevölkerung soll im Mai 1996 abstimmen, ob (25% Zustimmung
erforderlich) und falls ja, wann (1999 oder 2002) das neue Land Berlin-Brandenburg mit der
Hauptstadt Potsdam gebildet werden soll. In Berlin ist man verärgert, daß in Potsdam
bereits im Herbst 1994 das
Wettbewerbsverfahren für ein neues Landtagsgebäude ohne eine(n) Berliner Vertreter(in)
in der Jury begonnen wurde.
Wiedereröffnung eines Teils der 1943 zerbombten Neuen Synagoge
in der Oranienburger Straße als neues geistiges "Centrum Judaicum". Das im
maurischen Stil errichtete, 1866
als Berliner Hauptsynagoge geweihte Haus bot einmal Platz für 3200 Gläubige. Es lag
inmitten des ehemaligen jüdischen Zentrums in Berlin-Mitte und nahe am
"Scheunenviertel", dem größten Wohngebiet der Ostjuden in Berlin. Mit ca.
10.000 Mitgliedern (vorwiegend nach 1990
zugezogene "unorthodoxe" Juden aus der ehemaligen UdSSR) ist die heutige
jüdische Gemeinde Berlins wieder die größte Deutschlands.
Eröffnung des "Museum
Berlin-Karlshorst", das 1967
als Heldenschrein für die Rotarmisten eingerichtet worden war. Das neue Konzept bietet
eine Darstellung der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1917-1990 mit Schwerpunkt Zweiter
Weltkrieg: Menschen mit Gesichtern und Namen als Soldaten auf beiden Seiten der Front,
jüdische und nichtjüdische Bevölkerung in den besetzten Gebieten, Kriegsgefangene und
Zwangsarbeiter. Auch die Leiden der deutschen Zivilbevölkerung am Kriegsende werden nicht
ausgespart.
Der von Christo/Jeanne-Claude verhüllte Reichstag
hat über 5 Millionen Zuschauer angezogen. Die Aktion ist eine weltweit beachtete Werbung
für ein "lockeres und modernes" Berlin.
Eine "Techno-Party Love-Parade" auf dem
Ku'damm versetzt 250-300.000 meist junge Raver in bis zu 150 Schwingungen/min. Das
Happening ist auch ein wenig die Vorwegnahme eines künftigen "Berliner
Ambiente", das charakterisiert sein könnte durch ein liberales europäisches Denken
und eine gelebte (multi)kulturelle Offenheit.
Eröffnung der ersten nach dem Holocaust neugebauten
jüdischen Schule. Die nach dem langjährigen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in
Deutschland benannte "Heinz-Galinski-Schule" in Charlottenburg setzt die
Tradition der 1788 gegründeten
"Jüdischen Freyschule" fort; die 218 Schüler stammen aus jüdischen und
nichtjüdischen Familien. In den dreißiger Jahren gab es in Berlin 22 jüdische
allgemeinbildende und 49 Religionsschulen.
Baubeginn des "Tiergartentunnels"
vom Lehrter Bahnhof unter Spreebogen und Tiergarten zum Potsdamer Platz. Ein 3,5 km langer
4-gleisiger Bahntunnel und ein westlich davon separat geführter Straßentunnel (2,7 km)
werden bis zur Fertigstellung (ca. 2002) Baukosten von mindestens 4,5 Milliarden DM
verschlingen. Die "Anti-Tunnel-GmbH" protestierte gegen den Spatenstich, und die
Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz will das Projekt mit einer Klage vor dem
Bundesverwaltungsgericht stoppen. Die umstrittene Verlängerung der U5 vom Alexanderplatz
über "Unter den Linden" und Reichstag zum neuen Lehrter Fernbahnhof
("Kanzlerlinie") wird aus Kostengründen (vorerst?) nicht weitergeplant.
Verkehrsübergabe des vom Schlesischen Tor in
Kreuzberg über die restaurierte Oberbaumbrücke wiederhergestellten 0,8 km langen
U1-Streckenabschnitts zur Warschauer Straße im Bezirk Friedrichshain. Auch von Prenzlauer
Berg nach Wedding fahren wieder Tramlinien (23 und 24). Damit kehrt das 1967 in West-Berlin eingestellte
umweltfreundliche Verkehrsmittel wieder zurück in die westlichen Bezirke.
Ein an der "größten Baustelle Europas" am
Potsdamer Platz aufgestellter mehrstöckiger Großcontainer ("Infobox")
bietet mit Planunterlagen, Abbildungen, Modellen und animierten Multivisionsdarstellungen
einen Blick in das Jahr 2000 und danach.
Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Ergebnis (in
Klammern von 1990):
CDU 37,4% (40,4)
SPD 23,6% (30,4)
PDS 14,6% (9,2)
FDP 2,5% (7,1)
B90/Grüne 13,2% (9,4)
Die Kommunalwahlergebnisse: in 9 der 11 Ost-Berliner
Bezirksverordnetenversammlungen wurde die PDS stärkste Fraktion, die SPD liegt nur in den
Ost-Berliner Bezirken Weißensee und Köpenick vorn, die CDU wurde in 11 West-Berliner BVV
stärkste Fraktion, in Kreuzberg das Bündnis 90/Grüne.
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Baubeginn im 14. Abschnitt der Stadtautobahn (BAB
100) südlich des Flughafens Tempelhof. Das Teilstück schafft die Verbindung zu einer
projektierten Autobahn (BAB A113, neu) von Neukölln (4 km entlang des Teltow-Kanals)
durch Treptow zum BAB-Zubringer Dresden und auf den Abzweig zum Flughafen
Berlin-Schönefeld. Die hierzu notwendigen Eingriffe in Landschaft und vorhandene Bebauung
sollen durch längere, mit öffentlichen Grünanlagen bedeckte Tunnelabschnitte
abgemildert werden. Erstmals wurde der Berliner Stadtautobahn(weiter)bau "von Anfang
an" unter Beteiligung eines Architektenteams geplant.
Vorstellung der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU
und SPD. Der Berliner Haushalt (ca. 23 Milliarden DM Schulden) soll durch drastische
Einsparungen beim Personal (Stellenabbau um 18.000) und Verkauf von Landesvermögen (u.a.
Teilverkauf der BEWAG) saniert werden. Der Senat soll von 15 auf 10 Senatoren, die Anzahl
der Bezirke von 23 auf 18 verringert werden. Auf Drängen der SPD soll für die Fusion
Berlins mit dem Land Brandenburg bereits 1999 "geworben" werden.
Eröffnung der "Galéries Lafayette" in der
Friedrichstraße Ecke Französische Straße. Das mit 8000 qm Verkaufsfläche auf vier
Stockwerken errichtete Kaufhaus (Mode und Gastronomie) ist Teil des 1,4
Milliarden-Projekts "Friedrichstadt-Passagen". Die mit insgesamt vier Milliarden
DM Investitionsaufwand zum "Schaufenster des Ostens" hochgepäppelte
Friedrichstraße dürfte nach Einschätzung von Stadtplanern frühestens mit dem
Eintreffen kaufkräftiger Kundschaft nach dem Regierungsumzug die erhoffte urbane Funktion
bekommen. In ganz Berlin stehen eine Million qm Bürofläche leer, trotz erheblicher
Mietnachlässe sind von den bereits fertigen Flächen im Bereich Friedrichstraße erst ca.
10 % vermietet.
Der ehemalige Kaisersaal des 1908 gebauten Hotels
"Esplanade" wird transloziert. Der 18.000 Tonnen schwere und 18 mal 11 Meter
große Rest des Nobelhotels, der 1990
unter Denkmalschutz gestellt wurde, wird zunächst um 2,50 Meter angehoben, etwas gedreht
und dann um 75 Meter ostwärts in das am nordwestlichen Potsdamer Platz entstehende Sony-Center
hydraulisch verschoben. Die aus Marmor, Stuck, Säulen und Spiegeln bestehende
Inneneinrichtung des Saales, in dem Kaiser Wilhelm II. seine Herrenabende abhielt, wurde
in 500 Einzelteile zerlegt und ausgebaut. Im futuristischen 9-stöckigen Forum des
Sony-Centers soll der versetzte Saal zum Anziehungspunkt werden. Die Aktion (Kosten: 5
Mio) ist am 1996-03-21 beendet.
Das Zentrum für Berlin-Studien der Zentral-
und Landesbibliothek Berlin wird eröffnet. Darin werden u.a. die vereinten
Berlin-Bestände der Amerika-Gedenkbibliothek (ehemals West) und der Berliner
Stadtbibliothek (ehemals Ost) angeboten, das wohl weltweit größte Archiv gedruckter
Quellen zum Thema Berlin.
Die Senatskoalition aus CDU/SPD beschließt weitere
drastische Sparmaßnahmen, um das Haushaltsloch von 5,3 Milliarden DM zu stopfen:
bis 1999 sollen nun 22.000 Stellen im öffentlichen Dienst wegfallen, darunter 3000 für
Lehrer und Hochschullehrer sowie 2000 Stellen bei der Polizei. Die befürchteten
Theaterschließungen konnten abgewendet werden, dafür sollen die bezirksbezogenen Mittel
für Sozialarbeit erheblich gekürzt werden. Berlin - einst das vom Bund subventionierte
"Schaufenster" des Westens - ist nun gezwungen, eine ganz normale
Haushaltspolitik zu betreiben.
Die Planungen für ein 2,7 ha großes Grundstück am
Leipziger Platz werden vorgestellt. Mittelpunkt des Komplexes wird ein weithin sichtbarer
Kuppelbau "Cirque du Soleil" mit rund 150 Läden und Gaststätten in 4 Etagen
sein. An der Rückseite (entlang der Voßstraße) soll ein Unterhaltungsboulevard mit
Musikkneipen entstehen. Dazu werden im weiteren Umfeld neben einem Hotel, einem Kaufhaus
(40.000 qm) sowie diversen Bank- und Bürogebäuden ein markanter "Techno-Tower"
als Sammelpunkt für die kommerzialisierte Technoszene gebaut. Die Investoren (1,2
Milliarden DM) hoffen, zusammen mit den neuen, eher konventionellen
Unterhaltungseinrichtungen am benachbarten Potsdamer Platz zum wichtigsten Berliner
Entertainment-Zentrum zu werden.
Berlin und Brandenburg bleiben getrennte
Bundesländer. Die Volksabstimmung ergab: Berlin 53,4% Jastimmen, Brandenburg 63%
Ablehnung der Fusion. Brandenburgische Fusionsgegner befürchteten, in einem von Berlin
dominierten Bundesland wieder zu kurz zu kommen, wie schon zu DDR-Zeiten zugunsten
Ost-Berlins. Die Regierungschefs Diepgen und Stolpe erklärten enttäuscht, nunmehr
ersatzweise eine verstärkte "kooperative Zusammenarbeit" zu praktizieren; dazu
sind rund 200 weitere Staatsverträge und Verwaltungsabkommen notwendig. (Siehe 1996-11-20.)
Teil-Inbetriebnahme der ersten nach 1945 in Berlin gebauten Zentrale
einer demokratischen Partei. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) hat ihr
einen Schiffsbug zitierendes Willy-Brandt-Haus (Architekt: Helge Bofinger) auf
einem spitzwinkligen "Torten"-Grundstück an der südlichen Wilhelmstraße/Ecke
Stresemannstraße im Bezirk Kreuzberg errichtet. Im überdachten Atrium wurde eine Willy
Brandt darstellende Bronzeplastik aufgestellt, die mit 3,50 m Höhe das bisher höchste
Monument eines deutschen Nachkriegspolitikers ist.
Berlin-Schönefeld wird Großflughafen, Sperenberg
ist aus dem Rennen. Die Entscheidung zugunsten Schönefelds bedeutet: Ausbau als
internationales Luftkreuz Berlin-Brandenburg bis zum Jahre 2010, Planziel 20 Mio
Passagiere/Jahr, ausbaufähig auf 35 Mio. (z.Z. ca. 2 Mio.), Investitionskosten ca. 10
Milliarden DM (privat finanziert), schrittweise Aufgabe der Flughäfen Berlin-Tegel und
Berlin-Tempelhof. Die durch die Konzentration auf einen Großflughafen freiwerdenden
Areale bieten gute städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten: große zusammenhängende
Flächen in relativ zentraler Lage (besonders Tempelhof) mit guter Verkehrsanbindung.
"Schaustelle Berlin" heißt ein Programm,
mit dem die Senatsbauverwaltung und viele private Bauherren im Bereich Mitte/Tiergarten
die negativen Folgen der starken Bautätigkeit im Kern der Stadt abfangen wollen. Es gibt
zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und vor allem geführte Baustellen-Besichtigungen. Man
hat erkannt, daß die unzugänglichen lästigen Baustellen - vorgestellt als öffentlich
besuchbare Objekte - einen positiven Ereignischarakter haben.
Schiffahrtsfreigabe der Spreeverlegung am
Spreebogen. Auf einer Länge von 200 m wurde die Spree um 70 m nach Norden umgebettet, um
im trockengelegten alten Bett einen 17 m tiefen Anfahrschacht als Teil des Tiergartentunnels
zu bauen. Das Gesamtprojekt ist mit 3,1 Milliarden DM veranschlagt, davon 700 Mio DM für
die Bundesstraße 96, 350 Mio DM für den U-Bahn-Tunnel und rund 2 Milliarden DM für die
Fernbahnröhre Nord-Süd. Diese Verlegung wird zwei Jahre dauern, bis Juli/August 1998.
Die "Hackeschen Höfe", ein Ensemble
von 8 Innenhöfen im Jugendstil im Bezirk Mitte (S-Bhf Hackescher Markt), sind stilgerecht
saniert. In den Geschäften, Restaurants, Theater- und Revuesälen kann sich trotz hoher
Mieten ein szenegetragenes Leben halten, weil die Berliner den Bereich der Spandauer
Vorstadt mit seinem interessanten Branchenmix insgesamt "ins Herze" geschlossen
haben.
Grundsteinlegung für das Bundespräsidialamt
im Bereich des Spreebogens. Der bereits "Präsidentenei" getaufte Rundbau soll
bereits im Juni 1998 bezugsfertig sein. Damit dokumentiert auch diesmal der
Bundespräsident, daß er es mit der tatsächlichen Hauptstadtwerdung Berlins ernst meint.
Die Länder Berlin und Brandenburg schließen eine
Kooperationsvereinbarung ab. Es ist der "zweitbeste Weg zur Zusammenarbeit",
nachdem eine Fusion beider Länder in der Volksabstimmung am 5. Mai 1996 abgelehnt worden
war.
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Die neue "Max-Schmeling-Halle", eine
Mehrzweck-Sporthalle mit max. 10.000 Zuschauerplätzen im Bezirk Prenzlauer Berg, wird in
Anwesenheit Max Schmelings (Abb. zusammen mit Henry Maske) offiziell eröffnet.
Auch außerhalb der Innenstadtbereiche geht man in
die Höhe, am nördlichen Treptower Park, in einer ehemaligen Industriezone am Spreeufer,
entsteht z.B. ein von einem 30geschossigen Hochhaus dominiertes Bürozentrum
("Treptowers").
Die Privatinitiative "Arbeitsgemeinschaft
Berliner Stadtschloß" legt ein Konzept für den Wiederaufbau des Berliner
Stadtschlosses vor. Die ca. 1 Milliarde teure Rekonstruktion soll allein von privaten
Bauträgern finanziert werden. Voraussetzung hierfür wäre, daß Bund und Land Berlin das
Grundstück kostenlos zur Verfügung stellen. Die ca. 80 Millionen DM teure
Wiederherstellung der barocken Fassade (auf modernem Kern) soll in Raten von der
"Stiftung Berliner Stadtschloß" u.a. durch den Verkauf von Backsteinen
aufgebracht werden. Der Entwurf (Architekt Ralf Schüler) sieht vor, drei Außenfassaden
des alten Schlosses von Andreas Schlüter exakt nachzubauen; in die Ostfassade soll jedoch
(als Kompromißangebot an die Kritiker einer "Siegerarchitektur") ein Teil des
Palastes der Republik integriert werden. Das Konzept (Motto: "Berlin bekommt wieder
seine Mitte!") sieht neben repräsentativen Staatsveranstaltungen eine weitgehend
gemischte öffentliche Nutzung vor: Konferenzzentrum, Bibliothek, Kunsthalle, Restaurants
und Geschäfte.
1997-01-10
Eine seit dem 23. Dezember anhaltende Dauerfrostperiode
mit Temperaturen bis zu -24 °C gibt den Berlinern Gelegenheit, auch zugefrorene Gewässer
in ihre Verkehrs- und Wintersportplanung aufzunehmen. Einzig noch eisfreie Gewässer sind
die Baugruben am Potsdamer Platz und im Spreebogen; sie werden ständig mit ca. 8 °C
warmem Grundwasser nachgefüllt.
Januar 1997
Das Projekt Transrapid Berlin-Hamburg (siehe
auch 1994-03-02) entschwebt den Realitäten. Nachdem
Bundesverkehrsminister Wissmann vor dem Verkehrsausschuß des Bundestages geäußert
hatte, "einen Transrapid um jeden Preis" werde es nicht geben (der Bund trägt
die Kosten des Fahrwegs), signalisierte das Betriebskonsortium den möglichen Rückzug.
Das Handelsblatt meldete: "Der Transrapid steht vor dem Aus". Neue interne
Berechnungen eines Mitglieds des Konsortiums (Thyssen, Siemens, Adtranz, Bahn AG,
Bilfinger & Berger) zeigen, daß nur sehr hohe Fahrpreise den Transrapid rentabel
machen würden. Dann kämen jedoch die notwendigen Fahrgastzahlen nicht zustande, um den
Transrapid in die Gewinnzone zu bringen. Während die Bahn AG auf ihren konventionellen
Strecken ca. 20 Pfennig/km verlangt, müßte der Transrapid um 50 Pfennig je
Personenkilometer einfahren, um rentabel zu sein. Mit Geschäftsreisenden allein käme man
nicht annähernd auf die 11,4 bis 15,2 Millionen Fahrgäste/Jahr. Allen Beteiligten wird
klar, was Kritiker ("Miesmacher") von vornherein einwendeten: mit der Strecke
Berlin-Hamburg wurde eine untaugliche Referenzstrecke für den Transrapid ausgewählt. Das
Vorhaben sollte offensichtlich nicht einem dringenden Verkehrsbedürfnis entsprechend
realisiert werden, sondern in erster Linie dem weltweiten Nachweis deutscher
High-Tech-Kompetenz dienen. Die später begonnene Entwicklung eines noch schnelleren
Magnetbahnsystems in Japan (als Ersatz der wirtschaftlich erfolgreichen
"Shinkansen"-Strecke im Ballungsraum Tokio-Osaka) ist inzwischen soweit
gediehen, daß der Vorsprung des deutschen Transrapid-Systems in absehbarer Zeit (ca. 3-5
Jahre) eingeholt sein dürfte.
"Der Transrapid ist, bis er fährt, 30 Jahre alt und kommt gleich nach Mannheim ins
Landesmuseum für Technik und Arbeit" (Lothar Späth).
1997-03-13
Einweihung des Großprojekts "WISTA"
(Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Berlin-Adlershof). Für 550 Mio DM wird von
1998-2010 auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Johannisthal ein
"High-Tech-Campus" aus Instituten der Humboldt-Universität entstehen. Zuerst
müssen die Chemiker und Physiker, später die Biologen, Geographen und Psychologen ihre
zu eng gewordenen Institutsgebäude in der Innenstadt aufgeben. Transfereffekte verspricht
man sich aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu weiteren außeruniversitären
Forschungseinrichtungen, High-Tech-Firmen und geförderten Innovations- und
Gründerzentren. Auf den insgesamt ca. 450 ha WISTA-Fläche werden eine Wohnzone und eine
fast 70 ha große Park- und Freizeitanlage das Angebot abrunden.
1997-03-20
Offizieller Start des Umbaues des ehemaligen
Preußischen Herrenhauses zum Bundesratssitz. Der Anfang dieses Jahrhunderts im
neubarocken Stil errichtete Bau an der Leipziger Straße diente bis 1918 dem Adel als zweite Kammer des
preußischen Parlaments. Insofern setzt sich der Bundesrat als Länderkammer des deutschen
Parlaments in die Tradition des Hauses. Die Totalsanierung des riesigen Baues wird 200
Mio. DM kosten, seine Fertigstellung wird mit "Anfang 2000" angegeben.
April 1997
Auftragsvergabe für das Schauhaus
(Wechselausstellungsgebäude) des Deutschen Historischen Museums an den
Architekten I.M. Pei. Der Neubau wird 3000 qm
Austellungsfläche enthalten und von 1999-2001 nördlich des Zeughauses errichtet.
1997-04-24
Einweihung der renovierten Deutschen Bank
Unter den Linden 13-15, die damit Berlin als zweitwichtigsten Verwaltungssitz ausbaut. Das
neo-renaissancehafte Gebäude aus den Jahren 1888/89 wurde aus- und umgebaut und
mit einigen modernen Elementen ergänzt. Im Erdgeschoß wird in Zusammenarbeit mit dem
Guggenheim-Museum, New York, eine Ausstellungsfläche öffentlich zugänglich sein.
1997-04-26
Das neue Hotel Adlon wird mit der "Berliner
Rede" des Bundespräsidenten Roman Herzog am alten Standort Unter den Linden/Ecke
Wilhelmstraße inoffiziell eröffnet (Vorlaufbetrieb bis 22. August). Das frühere Adlon (1908-1945) war kurz nach der Besetzung
Berlins ausgebrannt und das Haupthaus abgerissen worden. Die Neubaufassade nimmt
weitgehend die alten Formen des Grandhotels (Neo-Historismus) mit einem zusätzlichen
Geschoß wieder auf. Nach Ansicht seiner Erbauer (Kempinski-Gruppe) und Architekten
(Patzschke, Klotz u. Partner) haben die Gäste eine "Fassade des positiven Denkens,
der Lebensfreude und der Zuversicht" bekommen. 450 Zimmer und Suiten - davon 2
"Präsidentensuiten" - die Restaurants und Säle wurden mit einem Aufwand von
ca. 450 Mio DM errichtet. Ein Kritiker: "Alles hier ist übertrieben, Stil-Havarie,
protzig, outriert, von oben bis unten Operette". Der Bau stehe für das
"parvenühafte der Stadt Berlin nach 1989". Trotzdem dürfte dieses
einzige Berliner Haus der Internationalen Luxusklasse wieder ein voller Erfolg werden,
weil es eine gewollte Distanz zu den anderen Großhotels schafft.
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1997-06-25
Beschluß des SPD/CDU-Koalitionsauschusses zur Neugliederung
der Berliner Bezirke: aus bisher 23 sollen 12 Bezirke werden. Der Modellentwurf der
Innenverwaltung sieht nur die Erhaltung von Reinickendorf, Spandau und Neukölln vor; zu
je einem Bindestrich-Bezirk sollen zusammengelegt werden: Tiergarten, Mitte und Kreuzberg;
Pankow, Weißensee und Hohenschönhausen; Charlottenburg und Wilmersdorf; Zehlendorf und
Steglitz; Schöneberg und Tempelhof; Treptow und Köpenick; Friedrichshain und
Lichtenberg; Marzahn und Hellersdorf; Wedding und Prenzlauer Berg. Die Zustimmung des
Abgeordnetenhauses (Zweidrittelmehrheit erforderlich) ist jedoch ungesichert, da dieser
Plan, vorrangig aus aktuellem Sparzwang geboren, zu einer Ausdünnung bezirklicher
Verwaltungsbehörden und damit zu geringerer Bürgernähe führen werde. Dieses Konzept
wird später z.T. geändert, siehe 1998-03-26.
1997-07-12
Die Love Parade 1997 hat fast 1 Million Raver
in und um den Tiergarten herum zusammengebracht. Berliner Grünverwalter hoffen nun auf
Regenfälle, damit die urinöse Überdüngung der Pflanzen im Regenerationsbereich der
sich erleichternden Massen nicht zu Dauerschäden führt.
1997-12-08
Als neuer Direktor des Jüdischen Museums wird
Michael Blumenthal vorgestellt. Der 1926 in Oranienburg als Sohn eines
jüdischen Bankiers geborene Blumenthal lebt seit 1947 in den USA. Als Industrieller
beriet er US-Präsidenten, bekleidete Botschafterposten und war von 1977 bis 1979 US-Finanzminister. Auf Bitten
der Kulturverwaltung hat sich Blumenthal "nach reiflicher Überlegung"
bereiterklärt, den Aufbau des Museums bis 1999 zu leiten. Sein Vorgänger im Amt, Amnon
Barzel, war mit seiner (nun zugesagten!) Forderung nach Autonomie für das Jüdische
Museum, das der Generaldirektion des Berliner Stadtmuseums unterstellt ist, im Sommer
gescheitert.
1997-12-21
Letzte Fahrt der legendären
mostrichfarben-stumpfroten alten S-Bahnwagen. Die noch einsatzfähigen 8 Züge der
von 1927-1931 gebauten und eingesetzten 1250
Exemplare der Baureihe 475 werden in einem Abschiedskorso von Westkreuz nach Ostkreuz
außer Dienst gestellt. Selbst auswärtige S-Bahnfreunde wurden gesichtet, der
"Abschiedsschmerz" in Versform verarbeitet:
Der 475er rollt nicht mehr.
Wir vermissen ihn jetzt sehr.
Das Heulen seiner vier Motoren
klingt lange noch uns in den Ohren. (Gert Gunkel, Offenbach)
Die neuen "Stadtbahner" der Baureihe 481
haben Klimaanlage, zentralgesteuerte Türschließeinrichtungen und sind durchgehend mit
gepolsterten Sitzen ausgestattet.
1998-02-09
Eröffnung der ersten Europa-Vertretung des American
Jewish Committee (AJC) im Mosse-Palais am Leipziger Platz. Das AJC wurde 1906 von deutschstämmigen Juden in
den USA gegründet, die deutsche Repräsentanz will "Fürsprecher wachsender
deutsch-amerikanischer Freundschaften" und Partner der jüdischen Gemeinde in
Deutschland sein.
Neues Modell für die Neugliederung der Berliner
Bezirke, ab 2001 soll es durch Zusammenlegungen folgende zwölf Bezirke geben:
Mitte/Tiergarten/Wedding ("Hauptstadtbezirk"), Prenzlauer
Berg/Pankow/Weißensee, Hohenschönhausen/Lichtenberg, Kreuzberg/Friedrichshain,
Treptow/Köpenick, Zehlendorf/Steglitz, Charlottenburg/Wilmersdorf, Tempelhof/Schöneberg,
Marzahn/Hellersdorf, Spandau, Reinickendorf und Neukölln.
1998-05-14/15
Besuch des US-Präsidenten Bill Clinton zum
(vorgezogenen) 50-jährigen Gedenken der Berliner Luftbrücke. Auf dem Flughafen Tempelhof
ist eine von einem privaten Verein ("Berlin Airlift Historical Foundation")
restaurierte Douglas C-54 "Skymaster", der wichtigste Lastesel der Luftbrücke,
mit einigen Luftbrücken-Veteranen aus New Jersey über London eingetroffen. Altpilot Gail
Halvorsen (77), der Erfinder der an kleinen Fallschirmen beim Landeanflug abgeworfenen
Schokolade- und Bonbonpäckchen für ausgehungerte Berliner Kinder, gehört der Crew an.
Erkennbar war sein damaliger "Candybomber"-Anflug (von Frankfurt a.M. und
Wiesbaden) immer an den wackelnden Tragflächen. Die offiziellen Feiern werden am 26. Juni
folgen.
1998-07-11
Die Love Parade 1998 hat wieder ca. 1 Million
Raver und selbst zahlreiche "Piep-piep-piep"-Anhänger im und um den Tiergarten
herum zusammengepfercht. Es ist eine Riesenparty für jüngere Leute geworden, die einmal
im Jahr auf Tuchfühlung in der Megamasse gehen wollen. Die eigentliche Technoszene ist in
die Minderheit geraten und dürfte sich von dem gesponserten Rummel bald zurückziehen.
Jack Lang, Pariser Kulturbeauftragter und früherer französischer Kultusminister, hat
sich vor Ort informiert. Offensichtlich fürchtet die große europäische
Kulturhauptstadt, den Zug der Jugend zum durchgetanzten Massenaufmarsch zu verpassen.
Juli 1998 Die Spree am "Spreebogen" wird
wieder in das alte Bett geflutet (s. 1996-08-02).
1998-08-13
Einweihung eines Mauer-Mahnmals an der
Bernauer Straße Ecke Ackerstraße (Wedding/Mitte), bestehend aus einem Rest der Berliner
Mauer von 70 m Länge mit Sehschlitzen in der Innenmauer und Stahlplatten an den Enden.
1998-09-14
Eröffnung der neuen ICE-Strecke Berlin-Hannover
mit einer Sonderfahrt (fahrplanmäßig erst ab 1998-09-27). Die bereits zu DDR-Zeiten
vereinbarte Trasse über Rathenow und ohne Halt an Stendal südlich vorbei ist von
Stendalern heftig kritisiert worden: der Entwicklung im wirtschaftlichen Schwerpunkt der
Altmark sei mit einem vorbeirauschenden ICE nicht gedient. Berlin profitiert von diesem
Teilstück der Schnellbahn-Magistrale Paris-Berlin-Moskau: die Fahrzeit nach Hannover
verkürzt sich um eine Stunde auf 1:45 Stunden.
1998-10-01
Eröffnung der neuen U-Bahn-Station Mendelssohn-Bartholdy-Park
zwischen den Stationen Gleisdreieck und Potsdamer Platz am Rande der neuen
"Daimler-City".
1998-10-02
Eröffnung des Daimler-Areals am Potsdamer
Platz. Die 1990 für "'nen
Appel und ein Ei" (ca. 10% der vergleichbaren Grundstückspreise an der
Friedrichstraße) erworbenen 6,8 ha ehemaliger Mauerbrache wurden mit einem Kostenaufwand
von 4 Milliarden DM mit 19 Gebäuden, zehn Straßen, einer zentralen Piazza
(Marlene-Dietrich-Platz) und einer 1,2 ha großen Wasserfläche (am alten Weinhaus Huth)
bebaut. Errichtet wurden neben 50% Bürobauten und ca. 20% Wohnungen auch 120 Geschäfte,
30 Restaurants, Bars und Cafés, ein Multiplexkino mit 19 Sälen, ein 3D-Kino (CINEMAXX),
ein Spielkasino, ein Musical-Theater, ein Varieté und ein Hotel. Wahrzeichen des
größten der vier Areale am Postdamer Platz ist die 20stöckige Debis-Zentrale, deren wie
ein Kamin anmutender Technikturm 85 m hoch aufragt. Kritik wurde laut an der Konzeption
des Masterplans von Renzo Piano: die sieben Architektengruppen und Bauherren hätten sich
auf die Verhältnisse des Viertels um 1933
bezogen und die spätere Geschichte außer acht gelassen. Daniel Libeskind: "Ein
Beispiel für autoritäres Mittelmaß". Es bleibt abzuwarten, wie die Berliner nach
dem massenhaften Eröffnungsbesuch (über 1 Million, taz) ihren neuen 'Protzdamer Platz'
in den alltäglichen Gebrauch nehmen; seine isolierte Lage zwischen dem führenden
City-Bereich Kurfürstendamm und dem aufgewerteten Bereich Unter den
Linden/Friedrichstraße ist Chance und Nachteil zugleich.
Burkhard
Kirste, 1995-02-18; Koautor: Gert
Paschke, 1998-10-05;
Quellen u.a.: 1. Ribbe, M.; Schmädeke, J.: Kleine Berlin-Geschichte, Berlin 1989 (3.
Auflage 1994); 2. Mehling, M. (Hrsg.): Knaurs Kulturführer in Farbe - Berlin, München
1992; 3. Foyer Berlin - Magazin der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen, Berlin
1994ff. Weiter: laufende Auswertung u. ggf. Einbindung im Web erreichbarer
Berlin-Informationen.
Letzte Änderung: 1998-10-05 BKi
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